Obere Starkenburger Mühlengesellschaft - Ahringsbachtal -

Mühlenmeister 2014: Michael Spier

Informationen: Michael Spier, Telefon: 06541 - 3434 E-Mail: m.spier@schieferdaecher.de

Manchmal klappert's im Ahringsbachtal

Teilrenovierte über 200 Jahre alte Gesellschaftsmühle, oberschlächtige Wassermühle, voll funktionsfähig. Die Mühle liegt im Wald und kann zu Fuß über einen schönen Wanderweg (ca. 3,5 km ab Starkenburg, 5 km ab Enkirch, ausgeschildert) erreicht werden.

Besichtigungen nach Absprache.

Starkenburger Mühlengesellschaft betreibt noch eine Mühle Traditionspflege

Das Ritual ist genau festgelegt. Jedes Jahr am 6. Januar treffen sich die Mitglieder der Starkenburger Mühlengesellschaft bei ihrem amtierenden Mühlenmeister. Dabei werden die Finanzangelegenheiten abgehandelt und die Vorhaben des angelaufenen Jahres besprochen. Dazu werden Walnüsse der vorigen Ernte gereicht und Wein des vorangegangenen Jahres getrunken, von dem jedes Mitglied eine Flasche mitzubringen hat. Im Anschluss an diese Zeremonie werden Gaumen und Nase mit Limburger Käse gekitzelt. Zum Abendessen steht der traditionelle Braten auf dem Tisch. Spät in der Nacht folgt dann noch ein Gehacktes - Essen. Gewürzt wird diese Zeremonie mit Anekdoten aus früherer Zeit.

Man muss schon einen guten Magen haben, um diesen Dreikönigstag unbeschadet zu überstehen. Doch die traditionelle Regel fordert ihren Tribut und wird von den Mitgliedern der Mühlengesellschaft gerne eingehalten. Hintergrund dieses Tages ist die Mühlenrechnung, die am 6. Januar abgehalten wurde, weil dann Knechte und Mägde ihre Stellung wechselten und bei anderen Dienstherren in Lohn und Brot kamen.

Diese Sitte entstand mit dem Bau der Mühlen. Die Obere Starkenburger Mühle im Ahringsbachtal blickt bereits auf über 200 Jahre zurück. Während in den eher katholischen Moselgebieten die Mühlen als Lehen vom Erzbischof vergeben wurden, gab es in den evangelischen Exklaven wie Enkirch und Starkenburg Mühlengesellschaften, die die Mühlen in eigener Regie betrieben. Die Obere - und die Untere Starkenburger Mühle wurden von Starkenburger Landwirten bewirtschaftet.

Die Gesellschaften bestanden aus 20 bis 24 Mitgliedern. Mehr Mitglieder konnten nicht aufgenommen werden, da der Monat nur 30 beziehungsweise 31 Tage hat, jeder nur einen Tag im Monat mahlen durfte und sonntags ein Ruhetag eingelegt wurde. Die Mühlen waren eine elementare Notwendigkeit für Mensch und Vieh. In Tag- und Nachtschichten deckten die Bauern ihren monatlichen Bedarf an Schrot und Mehl.

In den fünfziger Jahren wurde die Arbeit in den beiden Mühlen eingestellt, weil sie sich nicht mehr lohnte. Die Untere Mühle wurde von den Betreibern verkauft und dient heute als Wochenendhaus.
Für die Obere Mühle gilt aber auch heute noch, zumindest ab und an, der Spruch ,,Es klappert die Mühle am rauschenden Bach".

Die Brüder Scheuer setzten sich für den Erhalt der Mühle ein, und sorgten auch dafür, dass, nachdem der Wasserfluss durch den Wegebau unterbunden war, der alte Zustand wiederhergestellt wurde.

Heute gehören der Mühlengesellschaft 19 Mitglieder an. Aktiv von ihnen sind sieben bis zehn. Die Mühlenrechte wurden früher an den ältesten Sohn weitervererbt, heute gehen sie an den, der das Elternhaus übernimmt. Gemahlen wird heute nur noch für den Eigenbedarf. Ansonsten sind die Mitglieder hauptsächlich mit der Instandhaltung beschäftigt. So wurden in den vergangenen Jahren die Stauhaltung erneuert, der Mühlenteich ausgeschaufelt, ein neuer Mühlstein eingebaut und das Dach erneuert. Traditionell lädt der jeweils amtierende Mühlenmeister zu diesen Arbeitseinsätzen ein und besitzt auch die Schlüsselgewalt.

Die Lage der Mühle trägt sicher mit dazu bei, dass die Mitglieder gerne ab und zu ihre Samstage oder Sonntage im Ahringsbachtal verbringen, wo außer Vögelgezwitscher und dem Rauschen des Baches keine Geräusche die Idylle stören. Ein Paradies auch für den Nachwuchs. Hier können sie den Bach stauen und andere Sachen tun.
Die Nachwuchsförderung in der Mühlengesellschaft hat längst begonnen. Schließlich soll ja auch in Zukunft immer am 6. Januar jeden Jahres der Geruch des Limburger Käses durch das Haus des amtierenden Mühlenmeisters ziehen.

- Auszug Trierischer Volksfreund, Nr. 184, 1992, Clemens Beckmann -