Die Sponheimer an der Mosel

Nach den bisher bekannten Quellen erschienen die Sponheimer 1125 in Enkirch und 1183 als Vögte von Traben, d.h. als Gerichts- und Polizeiherrn des Kaisers oder Königs oder Abtei Corvey. Auf welchem Wege sie an die Mosel gekommen sind, lässt mehrere Vermutungen zu.
Nach den von Disselnkötter angestellten Untersuchungen bestehen 3 Möglichkeiten eines Gütererwerbs in Enkirch.

Einmal könnte Graf Meginhard von Sponheim eigene Weinberge in Enkirch gehabt haben oder er hat diese von seiner Ehefrau Mechthild Gräfin von Mörsberg (bei Winterthur) geerbt, oder Erzbischof Ratbod, der gleichzeitig Abt von Mettlach war, hat dies ihm vom Kaiser zugewendete Reichslehn (908) zu Ankaracha (Enkirch) seinen Verwandten (den Sponheimern) überlassen.

Nun zu den drei Möglichkeiten:

1.

Mechthild von Mörsberg hatte Grundbesitz in 8 lothringischen Dörfern, die Abt Fulrad von St. Denis (Paris) dieser Abtei hinterlassen hatte. Dieser Grundbesitz war dem Kloster St. Denis im Laufe der Zeit (ab 8.-9. Jahrhundert) verloren gegangen, doch das Kloster fand sich damit nicht ab. Da es aber mit der Rückgewinnung seines Besitzes keinen Erfolg hatte, waren die jeweiligen Besitzer exkommuniziert worden. Dieser unerquickliche Zustand änderte sich für die Besitzer erst mit dem Vertrag von 30.8.1125, der zwischen dem Grafen Meginhard von Sponheim und dem Abt Segur von St. Denis in Mainz geschlossen worden war. Meginhard schenkte den 3. Teil "unserer Weinberge" in "Einchirca" dem Kloster (Priorei Zellenhof in Lothringen). Die Abtei St. Denis muss aber frühzeitig diese Weinberge wieder abgestoßen haben, denn sie finden später keine Erwähnung mehr.

Nun stellt sich die Frage, hat Meginhard diese Weinberge, die weitab vom Gute seiner Frau Mechtilde lagen, aus ihrem Vermögen verschenkt oder stammen sie aus seinem Gute. Für erstere Möglichkeit spricht der Umstand, dass Graf Adelbert von Mörsberg, der Vater der Mechtild und Schwiegervater des Meginhard, diesen Besitz in Enkirch letzteren hinterlassen hat, denn ersterer war Graf Trechirgau.

Dieser Graf Adelbert hatte nämlich von Mutterseite die ausgestorbenen Grafen von Nellenburg beerbt, wozu u.a. Besitzungen um Kreuznach und Burg Dill im Hunsrück gehörten. Er war außerdem Lehnsmann des Erzbischofs von Trier und hatte Wingerte im Kaimt (Zell an der Mosel). Es ist dies nicht von der Hand zu weisen, denn Burg Dill ist nicht allzuweit von Enkirch entfernt und die Annahme liegt nahe, dass die Herrn von Dill Besitz an der Mosel hatten.

Castendyck vertritt die Meinung, dass die Starkenburg schon bestanden hat, als die Sponheimer von ihr "im Erbgang" Besitz ergriffen haben. Dies wäre um 1125 gewesen. 1107 wird Graf Adelbert in einer Springiersbacher Urkunde erwähnt.

2.
Die 2. Möglichkeit des Erwerbes von Grundbesitz in Enkirch durch die Sponheimer wäre mit einer Beerbung der Grafen Berthold-Becelin (letzteres eine Kosenamen von ersterem), die im Maien- und Trechirgau Grafen waren, zu erklären. Es ist nämlich auffallend, dass die Sponheimer nach dem Verwinden dieser Grafen aus den Urkunden vom 1100 an deren Stellen in 2 Fällen treten, einmal in Enkirch, zum anderen in der Westeifel, und dieses Erlöschen zeitlich zusammenfällt. In einer Urkunde von 1200 treten die Sponheimer als Besitzer von Starkenburg, Ham a.d. Prüm, Oure und und Clerval (bei letzterem zu 1/2) auf, dieser Besitz ging aber in der Westeifel wieder verloren.

Der letzte Bertold im Trechirgau, zu dem auch Enkirch gehörte, war Bertold von Treis. Ein Graf Bertold schenkt 1074 Grundbesitz in Enkirch dem Kloster Ravengiersburg. Dieses konnte er nur tun, wenn er hier Besitzungen hatte.

3.
Die 3. Möglichkeit ist die, dass die Sponheimer diesen Besitz in Enkirch von Erzbischof Ratbod von Trier hatten, der gleichzeitig Abt von Mettlach war. Es ist schon wiederholt davon geschrieben worden, dass die Sponheimer mit dem salischen (oder fränkischen) Kaisergeschlecht verwandt gewesen sind. Nach Baldes ist mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass Liutwin, Erzbischof von Reims und Trier (697-717) und Gründer des Klosters Mettlach, der Ahnher der Salier ist (deutsche Kaiser von 1224-1125, Konrad II, Heinrich III, IV, und V).

Baldes führt in einer Übersicht, bei Baldes Leodoin genannt, die Geschlechterfolge bis Otto von Kärnten, dessen Urenkel Kaiser Heinrich IV ist. Otto war u.a. auch Graf im Nahe- , Maien- und Wormsgau.

Es war nun Geflogenheit, dass die Familien ihre Ämter und Pfründe wieder an ihre Verwandten weitergaben, so dass es wahrscheinlich ist, das Ratbod, als einer vom Stamme der Salier, den Bischofsstuhl zu Trier und die Abtei in Mettlach bekam, welche kirchlichen Ämter zur damaligen Zeit immer verbunden waren.

908 schenkte Ludwig das Kind dem Erzbischof Ratbod (883-915) das Reichslehn zu Enkirch und zwar zu persönlichem Eigentum. Was hiermit später geschehen ist, lässt sich aus Urkunden nicht erfahren. Es liegt aber die Annahme nahe, dass Ratbod diesen Besitz den Vorfahren der Sponheimer, den Bertold-Becelin, einem Gaugrafengeschlecht, das wir schon oben kennen gelernt haben, schenkweise als seinen Verwandten oder im Erbgang überlassen hat.

Diese Gaugrafen waren aller Wahrscheinlichkeit nach eine Nebenlinie der Salier, wie Baldes nachzuweisen versuchte.

Der erste zum Geschlecht Bertold festgestellte Gaugraf ist Udo, dem der Maiengau, ein salischer Gau, untersteht. Udo ist der Sohn eines Werinhars, eines direkten Nachkommens Liutwins, der erst als Witwer Erzbischof wurde. Nach seinem Tode wird Udo von seinem Verwandten, dem Salier Otto von Kärnten, beerbt.

Die Bertold-Becelin erschienen nun wiederholt im Maienfeld und im Trechirgau als Gaugrafen und es ist nicht anzunehmen, dass die Salier in diesen ihren Gauen Grafen eingesetzt hätten, die nicht von ihrem Geschlecht waren (so Baldes). Sonach wird die Annahme, Ratbod hat den Bertold-Becelin, seinen Verwandten, Besitz in Enkirch hinterlassen, eine große Wahrscheinlichkeit und dies um so mehr, als ein Bertold von seinem Besitz Schenkungen an das Kloster Ravengiersburg macht. Wie schon oben ausgeführt, ist es nicht von der Hand zu weisen, dass die Sponheimer die Bertold-Becelin beerbt haben und so über Ratbod zu ihrem Enkircher Besitz gelangt sind (so Witte und Fabricius)

Für diese Annahme spricht noch die Tatsache, dass die Sponheimer im Birkenfeldischen Besitzungen hatten und Vögte waren, wo ebenfalls das Kloster Mettlach große Güter besaß. Sponheim war sogar Besitzer von Dörfern, die man die Abtei nannte.

Diese Abtei-Dörfer waren eine Schenkung Udos, des Stammvaters des schwäbischen Konradiner. Wenn also die Sponheimer im Birkenfeldischen mitten im Mettlacher Besitz Dörfer hatten, dann ist der Schluss gerechtfertigt, dass sie in engen Beziehungen zu den Äbten dieser Abtei -also Saliern- standen. Als weiteren Beweis für die hohe Stellung der Sponheimer führt Witte an, dass sie von den deutschen Kaisern nach Kärnten gesandt wurden und sich mit Frauen aus hochgestellten Geschlechtern erheirateten.

Quelle: Starkenburger Heimat- und Wanderführer