Loretta und Johann III.

Loretta und Johann III.

Aus der nun folgenden Geschichte der Starkenburg heben sich 2 Ereignisse heraus, die einmal erwähnenswert sind und zum anderen zeigen, wie die Kleinen mit den Großen ihrer Zeit feilschen konnten.

Es ist dies 

  • der Streit Lorettas mit Balduin und 
  • der kleine Krieg Johann III. mit dem Trierer Erzbischof Beomund.

Loretta, die Tochter des Grafen Johann von Salm aus Lothringen, heiratete 15-18jährig, Heinrich von Sponheim, den Sohn des Grafen Johann II. (1290-1324) am 20.1.1315. Das junge Paar lebte erst auf der Burg Herrstein (bis 1319), dann auf der Burg Alt-Wolfstein an der Lauter. Ihr Gemahl war bei der Hochzeit 32 Jahre alt und starb früh (1323). Er wurde in Himmerod beigesetzt. Eine Zeichnung seiner Grabplatte ist erhalten geblieben.

Loretta ist mit ihren 3 Kindern auf die Starkenburg zurückgekehrt. Als ein Jahr später der Tod ihren Schwiegervater ereilte, war Loretta die Herrschaft und die Sorge um ihre 3 Kinder aufgetragen. Hinzu kamen noch weitere Beschwernisse, denn der Erzbischof Balduin, aus dem Hause der Luxemburger, schickte sich eben an, seine Macht auszudehnen und Bestehendes zu festigen. Zu diesem Zweck erbaute er die Burg Balduinstein an der Lahn, Baldenau bei Morbach am Hunsrück und Balduinseck bei Mastershausen. Ein gleicher Stein in seiner Ausdehnungspolitik war Trutzelz.

Loretta verfolgte diese Vorgänge mit Misstrauen, lagen doch 2 dieser Burgen (Baldenau und Balduinseck) in unmittelbarer Nähe ihrer eigenen Besitzungen. Ihr Misstrauen wuchs noch, als sie gewahr wurde, dass Balduin 1324 den Herrn von Daun das Vogteirecht im Kröverreich abkaufte.

Der Auftakt und die Generalprobe zu den späteren Auseinandersetzungen mit Balduin war die Festnahme des Wildgrafen Friedrich, der Loretta 1326 Besitzungen um Wörresbach streitig machte. Es war ein Vorspiel für den späteren folgenschweren Auftritt an der Mosel.

Zum Bruch mit Balduin kam es um die Birkenfelder Besitzungen der Loretta. Anhand einer Besitzaufzeichnung von Kurtrier verfochte Balduin die Auffassung, dass das Bistum Trier Rechte am Birkenfelder Land habe, die auch von Sponheim beansprucht wurden. Wie in den anderen Fällen begann er nun, in Birkenfeld eine Burg zu bauen, die im Sommer 1328 fertiggestellt und ausgerüstet war. Loretta protestierte, versäumte aber nicht, auch durch Verhandeln zu ihrem Recht zu gelangen und schickte den Oheim ihres verstorbenen Gemahls, den Aachener Münsterprobst Heinrich zu Balduin auf die Grimburg, der aber von dort ohne Erfolg auf die Starkenburg zurückkehrte.

Ende Mai/Anfang Juni 1327 erfuhr nun Loretta, dass Balduin mit Schiff und Gefolge von Trier nach Koblenz unterwegs war. Da ihr klar geworden war, dass auf dem Verhandlungswege nicht mehr zu erreichen war und eine offene Gewaltanwendung wegen der Übermacht Balduins ausgeschlossen gewesen ist, beschloss sie, Balduin mit seinem Gefolge festzunehmen und auf der Starkenburg festzuhalten. Der Plan gelang. Wie es im einzelnen geschehen ist, lässt sich nicht mehr feststellen.

Einmal wird berichtet, eine in der Mosel gespannte Kette, die plötzlich hochgezogen worden sei, habe das Schiff des Erzbischofs aufgehalten, ein andermal, Kähne, die am Ufer verborgen waren, hätten das Schiff des Kirchenfürsten eingeschlossen. Die Tat konnte nicht lange verborgen bleiben.
Schon am 9.6.1327 trat das Trierer Domkapitel zusammen, beratschlagte über die Freilassung und bildete einen "Befreiungsauschuß", der seinen besten Sprecher in dem Böhmenkönig Johann, dem Neffen Balduins und Sohn des Kaisers Heinrich VII. hatte. Sein Erfolg gründete sich darauf, dass er im Grunde die Hauptforderung Lorettas, ungestört in ihrem Birkenfelder Besitz bleiben zu dürfen, anerkannt hat. Am 7.7.1327 schon wurde der Sühnevertrag beurkundet, der in den nächsten Jahren auch erfüllt wurde.

Damit war aber noch nicht die kirchliche Seite der Affäre bereinigt, dann Loretta stand unter dem Kirchenbann. Sie war wohl mit Balduin darin übereingekommen, dass letzterer sein Bestes beim Papst, dem 86jährigen Johann XXII., in Avignon versuchen soll. Balduin erreichte jedoch nichts, so dass Loretta gezwungen war, mit Gefolge nach Avignon zum Papst zu reisen, um von ihm persönlich die Absolution zu erreichen. Balduin hatte ihr ein Empfehlungsschreiben an den Papst mitgegeben, in dem er mit "lakonischer Eleganz", als Ritter seiner Zeit, die folgenschwere Tat dem wie folgt schildert:

"um der Gefangenschaft willen, bei der sie selbst seiner Zeit in Person und durch die Ihrigen mich und einige meiner Geistlichen durch ein zufälliges Missgeschick gefangen nahm und eine zeitlang gefangen halten ließen - huldvoll die Gnade des Lossprechung zu spenden...."

Loretta wurde in Huld vom Papst empfange, sie und die ihr nahestehenden Personen mit Gnadenerweisen überhäuft und mit einem Schutzbrief entlassen. Schließlich stattete der Papst die beiden jüngsten Söhne Lorettas mit Pfründen aus. Die hierüber gefertigten 18 Urkunden tragen das Datum vom 23. bzw. 24.4.1330. Zu Hause musste sich Loretta mit ihren Gefolgsleuten der Kirchenbuße unterziehen. Wo dies geschehen ist, in Springiersbach oder im abgelegenen Himmerrod ist nicht bekannt.

1331 endete die mütterliche Vormundschaft über den ältesten Sohn Johann, der im gleichen Jahre als Johann III. die Herrschaft antritt. Im selben Jahre heiratet er Mechtild, die Tochter des Pfalzgrafen Rudolf, die Nichte des Königs Ludwigs des Bayern. Loretta zog sich auf die Frauenburg bei Oberstein (früher Burg Frauenberg) zurück, die sie sich mit dem von Balduin erhaltenen Lösegeld erbaut hatte (in einem engen Seitental der Nahe).

Anfang Februar 1346 starb Gräfin Loretta. Sie wurde wie ihr Gatte in der Klosterkirche in Himmerod beigesetzt. 1641 konnte ihr Grabstein schon nicht mehr gefunden oder nicht mehr entziffert werden. Er befand sich wie die Erbgruft vor dem Altar des hl. Bernhard von Clairvaux.

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Johann III. (1331-1398), bis hinein in sein hohes Alter kriegs- und fehdelustig, war der Typus des vornehmen Ritters und Herrn des Mittelalters und ein guter Finanzmann. 1359 wurde der Corveyer Hof für 2700 Gulden an Graf Johann von Sponheim verkauft, nachdem sich schon 1252 die Sponheimer das Vorkaufsrecht gesichert hatten.

Während der Streitigkeiten um den deutschen Kaiserthron von 1346-48 standen Sponheim und das Marienstift von Aachen (Hof in Traben) in verschiedenen Lagern. Dies nutzte Johann III. aus und nahm die Güter des Stiftes in Traben kurzerhand an sich. Da er auf die richtige Partei gesetzt hatte, nämlich auf den Luxemburger Karl IV., blieb die Aneignung auch von einigem Bestand. Nach dem Vertrag von 1352 gab er die Güter an das Stift zurück, behielt aber die Gerichtsbarkeit über den Aacher Hof.

1349 erhält von ihm Enkirch Gericht, 2 Märkte und Siegel. Unter seiner Regentschaft erfolgte die 2.Auseinandersetzung mit Kurtrier.

Der Streit entzündete sich am Kröver Reich, dem Rest eines ehemaligen großen Fiskalgebietes der Karolinger und der nachfolgenden Kaiser. Dem Erzbischof Boemund II. gelang es, den Herrn von Daun das Vogteirecht im Kröver Reich abzukaufen (1355), worauf er sich von Kaiser Karl IV. mit dem Vogteirecht belehnen ließ.

Boemund ärgert wiederum der Umstand, dass Johann III. den Zoll auf der Mosel einnahm, wobei er sich des sogenannten Zollturms bediente. Trier vertrat den Standpunkt, dass ihm über den ganzen Flußlauf der Mosel die Oberherrlichkeit zustehe. Hinzu kam nun noch, dass Boemund dem Heinrich von Sponheim, dem Bruder Johann III., die Pfründe entzog und ihn für abgesetzt erklärte.

Nun rüsten Johann und Heinrich. Es kam zu einem Gefecht bei Kirchberg, das Sponheimer Grafen verloren. Über das, was nun weiter folgte, gehen die Quellen nicht eins. Die eine berichtet, Johann wäre auf der Starkenburg eingeschlossen und Enkirch in Brand gesteckt worden, während eine andere weiß, dass von den Trierischen nur der Zollturm zerstört worden sei.

Erste Version wird aber die richtige sein, dann eine spätere Urkunde erzählt, dass "Enkirch bis auf die Mauern verderbet war". Letzterer Bericht stimmt nicht, denn es stehen heute noch beachtliche Reste des Zollturms, die vor über 100 Jahren noch größer waren.

In dem 1356 geschlossenen Sühnevertrag wurde von einer Zerstörung der Zollburg gesprochen, sie ist aber offensichtlich nicht durchgeführt worden. Endgültig wurde dieser Streit erst 1399 durch König Wenzel geschlichtet, der das Kröver Reich den Grafen der hinteren Grafschaft Sponheim als erbliches Mannslehen gab und Trier dauernd in diesem "Reich" die Vogteirechte.

Die Zollburg war zum Ort Starkenburg mit einer Mauer verbunden, ebenso war der Ort im Süden der Burg ummauert, wie sich aus noch vorhandenen Mauerresten erkennen lässt.

Aus der erstmaligen Erwähnung der Grevenburg (1357) lässt sich schließen, das Johann III. am Ende der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts mit ihrem Bau begonnen hatte. Die Folge der Verlagerung der Verwaltung nach Trarbach war, dass es um die Starkenburg immer einsamer wurde. Sie wurde wohl, wie die anderen Burgen, jedes Jahr regelmäßig mit Munition und Proviant versehen, wobei ständig 40 Malter Korn, 10 Malter Mehl, 2 Malter Erbsen, 1 Malter Salz, 10 Speckseiten, 5 Stück Wein, 2 Zentner Pulver, 2 Zentner Blei, verschiedene Arten von Armbrüsten und Büchsen und endlich 4000 Pfeile vorrätig sein mussten.

Nach dem Aussterben der Sponheimer 1437 hatten die weitab residierenden Gemeinsherrn kein allzugroßes Interesse mehr an der baulichen Erhaltung der Burg. In dem Neuerburger Vertrag von 1567 war sie von den Vorschriften über Bedachung und Schalung der hintersponheimischen Burgen ausdrücklich ausgenommen worden, denn sie war damals schon ein altes baufälliges Haus.

1592 wollte man die Bewachung der Burg aufheben, man behielt sie aber noch bei und 1607 wird ein Burggraf genannt, eine Art Burgvogt, der mit einigen Knechten die Burg besetzt hielt und nebenbei Landwirtschaft und Weinbau betrieb.

Als zu Beginn des 30jährigen Krieges die Spanier in die hintere Grafschaft kamen, besetzte, wie Hauptmann Ibarras in seinem Bericht über den Zug durch den Hunsrück mitteilte, eine kleine Besatzung unter einem Korporal auch die Starkenburg.

1643 wird ein Burgvogt erwähnt, der mit den Einwohnern in Unfrieden gelebt hat. 1671 besichtigte der Gemeinsherr Christian II. anlässlich der Huldigungsfeierlichkeiten auch die Starkenburg. In der Landesaufnahme für die französische Regierung von 1682 (dènombrement du bas comtè de Sponheim) wird die Starkenburg ein ehemaliges Schloss genannt, das jetzt ein baufälliges Gemäuer sei. Pläne der Umgebung von Traben-Trarbach, die im Mittelmosel-Museum zu sehen sind, zeigen 1688 und 1690 die Burgruine mit dem Ort, wobei die Ausdehnung des letzteren noch sehr gering ist. In dem französischen Bericht heißt es: "Starkenbourg autrefois un chateau, qui prèsentement est à mazurè"

Die letzten Mauerreste lässt 1690 der französische Kriegsminister Louvois abreißen. Um 1707 ist der ehemalige Schlosshof ein Schutthaufen.

An der Stelle der Schlosskapelle befindet sich ein Gemüsegarten. Es ist anzunehmen, dass die Starkenburger mit Genehmigung der Gemeinsherrn die restlichen Gemäuer abrissen, denn die Einwohnerzahl war von 12 auf 23 Familien angewachsen. Das ehemalige Hofgut bestand bis 1795 und wurde dann wie alle anderen versteigert.

Quelle: Starkenburger Heimat- und Wanderführer